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Hintergrundinformationen zum Wehrdienst in Südkorea

In der Republik Korea (Südkorea) besteht Wehrpflicht für alle jungen Männer. Der Wehrdienst dauert 24 Monate. Die Möglichkeit, statt dessen einen Zivildienst abzuleisten, gibt es nicht. Wer den Wehrdienst verweigert erhält eine Gefängnisstrafe und hat nach der Entlassung mit lebenslanger sozialer Stigmatisierung wie zB massiven beruflichen Nachteilen zu rechnen.

Südkorea hält mehr Kriegsdienstverweigerer gefangen als der Rest der Welt zusammen. Im Mai 2015 sind in dem Land mindestens 613 Kriegsdienstverweigerer inhaftiert, viele von ihnen Zeugen Jehovas. Meistens sind sie zwischen 20-24 Jahre alt. Seit dem Jahr 2000 sind ungefähr 10.000 Fälle von Kriegsdienstverweigerern in Haft dokumentiert.


13. Mai 2015 - Kriegsdienstverweigerung ist kein Verbrechen!!

Die weltweite Kampagne lief bis November 2015. In englischer Sprache

Hintergrund:
Artikel Authorities wrecking lives by jailing conscientious objectors
Bericht Sentenced to Life: Conscientious Objectors in South Korea
Kampagne A life sentence from birth – story of a South Korean conscientious objector

Videos zur Kampagne Kriegsdienstverweigerung in Südkorea
(Amnesty International Hong Kong 2015, je ca. 4 Min, koreanisch englischer Untertitel)
Die Kampagne
Yang Ji Woon - Yang Ji Woon ist Synchronsprecher und Vater von drei Söhnen, die alle im Gefängnis waren oder vor Gericht sind, weil sie den Kriegsdienst verweigerten.
Song In Ho
Lee Yeda


Kriegsdienstverweigerer in 2014 - Jahresrückblick

Mindestens 635 Militärdienstverweigerer befanden sich Ende 2014 noch in Haft.

Nachdem zwei männliche Wehrpflichtige zu Tode gekommen waren - ein Hinweis darauf, dass beim Militär weiterhin Misshandlungen stattfanden -, äußerte die Öffentlichkeit Bedenken über das System der allgemeinen Wehrpflicht.

In einem Fall von Militärdienstverweigerung, mit dem sich das Verfassungsgericht im August 2014 befasste, legte Amnesty International zusammen mit mehreren NGOs eine Argumentation vor, die das Recht der Militärdienstverweigerung aus Gewissensgründen aus dem Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit ableitet. (Quelle: Amnesty Report 2015)


ZUM BEISPIEL Baek Jong-keon

Er verweigert als Zeuge Jehovas den Militärdienst. Da er Rechtsanwalt ist, legte er selbst gegen das Urteil vom 2. Juni 2011 (18 Monate Gefängnis) Berufung ein. Falls er ins Gefängnis kommt verliert er zusätzlich zu seiner Freiheitsstrafe seine Lizenz als Anwalt für fünf Jahre. Das Bezirksgericht in Seoul bestätigte am 23. Januar 2014 das Urteil zu 18 Monaten Gefängnis wegen Verweigerung den Militärdienst durchzuführen. Das Gericht entschied jedoch Baek Jong-keon nicht zu inhaftieren. Er hat abermals Rechtsmittel bei der nächsten Instanz eingelegt.

Auch Baeks Vater war zwei Jahre aus demselben Grund inhaftiert. Über 850 Personen befanden sich im Mai 2011 wegen Wehrdienstverweigerung im Gefängnis, die Meisten davon Zeugen Jehovas.


Geschlossene Aktionen

Mitte 2014 bis Ende 2015 - Wehrdienstverweigerung in Südkorea legalisieren

Musterbrief an die südkoreanische Präsidentin verschicken
PDF Dokument, MS Word

In Südkorea herrscht eine ca. zweijährige Wehrpflicht für alle jungen Männer. Einen alternativen Zivildienst für Wehrdienstverweigerer gibt es nicht. In der Regel werden diese zu einer Gefängnisstrafe von 18 Monaten verurteilt; genauso schwer wiegt jedoch die Diskriminierung nach der Entlassung von Seiten der Behörden (eine Stelle im Staatsdienst ist ausgeschlossen) und bei der Bevölkerung, die ebenfalls eine berufliche Tätigkeit nach Möglichkeit verhindert. Jedes Jahr werden über 400 Verweigerer verurteilt, vor allem Zeugen Jehovas. Aber die Zahl junger Männer, die aus grundsätzlichen moralischen Überlegungen den Wehrdienst ablehnen, nimmt zu.

Die Aktion zielte erstens darauf ab, dass alle Wehrdienstverweigerer in Südkorea, die aus Gewissensgründen inhaftiert sind, sofort und bedingungslos freigelassen werden und von weiteren Einberufungen zum Militärdienst befreit werden. Auch eine Löschung ihres Strafregisters sowie eine angemessene Entschädigung soll sichergestellt werden.

Darüber hinaus soll ein alternativer Dienst für Wehrdienstverweigerer im Rahmen internationaler Standards eingeführt werden. Dieser Alternativdienst soll einen zivilen Charakter haben und der Dauer nach vergleichbar mit dem Wehrdienst sein. Es muss dabei auch sichergestellt werde, dass Wehrdienstverweigerer, die einen alternativen Dienst leisten, genauso behandelt werden wie Leute, die Militärdienst leisten in Bezug auf finanzielle oder andere Vorteile. Außerdem sollen gesetzliche Bestimmungen oder Regelungen, die für Arbeitsplatz, Karriere oder Pension den Militärdienst berücksichtigen, genauso den Alternativdienst berücksichtigen.

Auf diese Quellen nimmt der Musterbrief bezug, zum Lesen bitte aufrufen (öffnet im neuen Fenster)
Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, Artikel 18
Internationaler Pakt über bürgerliche und politische Rechte, Artikel 18
Yoon et al. ./. Republic of Korea
Jung et al. ./. Republic of Korea
Jeong et al. ./. Republic of Korea


2013 - Moon Myung-jin
Moon Myung-jin ist Pazifist. Er war in der südkoranischen NGO World Without War aktiv und machte ein Praktikum in England bei War Resisters International. Sein Schlüsselerlebnis war 2006 das gewalttätige Vorgehen der Einsatzpolizei und der Armee gegen die friedlichen Proteste bei der Vertreibung von Bauern nördlich von Seoul, wo die amerikanische Militärbasis erweitert werden sollte.

Moon Myung-jin - Bild in Originalgröße anzeigen Moon Myung-jin verbüßte eine Gefängnisstrafe, weil er sich weigerte, den in Südkorea obligatorischen Wehrdienst abzuleisten. Am 14.Dezember 2010, dem Tag seiner Einberufung, hielt er eine Pressekonferenz vor dem Verteidigungsministerium ab und verkündete seine Wehrdienstverweigerung. Am 30.März 2011 wurde er verurteilt. Er war im Südlichen Gefängnis von Seoul inhaftiert und dort in der Küche beschäftigt, wo er von 6 Uhr morgens bis 6 Uhr abends arbeiten mußte. Als Vegetarier bekam er keine vegetarische Kost. Er wurde in eine Zelle zusammen mit drei Kriminellen verlegt. Amnesty rief Februar 2012 zum Schreiben von Briefen auf.

Moon Myung-jin wurde vorzeitig aus der Haft entlassen und ist frei. Sein Dank gilt allen, die sich während seiner Inhaftierung durch Appellbriefe oder andere Aktionen für ihn eingesetzt und ihn durch Solidaritätsaktionen moralisch unterstützt haben:

"I received many letters from Amnesty International members. ... These words meant a lot to me and I thank them."

Südkorea