Amnesty International Koordinationsgruppe zu Korea

Impressum | Login

Koordinationsgruppe zu Korea

StartseiteSüdkoreaAktuelle Themen und AktionenGastarbeiter (Migrant Workers)

Hintergrundinformationen zu Gastarbeiter (Migrant Workers) in Südkorea

Rechte von Arbeitsmigranten in 2014 - Jahresrückblick Bild in Originalgröße anzeigen

In der Landwirtschaft tätige Arbeitsmigranten mussten unter dem System der Arbeitsgenehmigungen (Employment Permit System - EPS) exzessive Arbeitszeiten und Unterbezahlung erdulden. Zudem verweigerte man ihnen ihren Anspruch auf den wöchentlichen bezahlten arbeitsfreien Tag sowie ihren Jahresurlaub und vermittelte ihre Arbeitskraft illegal weiter. Ihre Lebensbedingungen waren armselig. Viele der Arbeitsmigranten wurden zudem auf ihrer Arbeitsstelle wegen ihrer Nationalität diskriminiert.

Der Ausschluss der Landarbeiter von den Bestimmungen des Gesetzes über Arbeitsbedingungen hinsichtlich Arbeitszeit, Regelung der täglichen Pausen und des wöchentlichen bezahlten freien Tages hatte faktisch diskriminierende Auswirkungen auf die hiervon in unverhältnismäßiger Weise betroffenen Arbeitsmigranten. Viele von ihnen konnten den ausbeuterischen Arbeitsbedingungen nicht entkommen, weil die Regierung für Migranten strenge Einschränkungen der Arbeitsplatzmobilität in Kraft gesetzt hatte und die Schutzbestimmungen des Gesetzes über Arbeitsbedingungen für Landarbeiter nicht galten. Bild in Originalgröße anzeigen

Zahlreiche von Amnesty International befragte Arbeitsmigranten waren von ihren Arbeitgebern zumeist durch Druck und Anwendung von Gewalt genötigt worden, unter harten, mit Zwangsarbeit vergleichbaren Bedingungen zu arbeiten. Viele waren bei der Anwerbung getäuscht worden, um sie dann auszubeuten. Diese Situation lief auf Menschenhandel hinaus.

Arbeitsmigranten, die ihre Arbeitgeber verklagt hatten, mussten häufig während der Ermittlungen weiterhin für diese arbeiten und waren damit dem Risiko weiterer Ausbeutung und Misshandlung ausgesetzt. Diejenigen, die ihren Arbeitsplatz verließen, riskierten, dass die Arbeitgeber sie der Einwanderungsbehörde als "Arbeitsflüchtige" meldeten, was zur Folge hatte, dass sie festgenommen und abgeschoben werden konnten.

Die Bestimmungen des EPS hielten Arbeitsmigranten davon ab, Beschwerde einzureichen und ihre Arbeitsplätze zu wechseln, weil sie in diesen Fällen befürchten mussten, die Möglichkeit zur Verlängerung ihrer Verträge zu verlieren. Einige Beamte rieten Arbeitsmigranten nachdrücklich davon ab, formelle Beschwerden vorzubringen. Folglich hatten Arbeitgeber, die Verstöße gegen Arbeitsmigranten begingen, nur in seltenen Bild in Originalgröße anzeigen Fällen mit rechtlichen Sanktionen zu rechnen. (Quelle: Amnesty Report 2015)


Oktober 2014 - zwei neue Amnesty Dokumente (in Englisch)

The South Korean government must end the exploitation and widespread use of forced labour of migrant agricultural workers, Amnesty International said, as it published a new report that reveals how the country’s farming industry is rife with abuse.

Bitter Harvest exposes the true face of South Korea’s Employment Permit System (EPS) that directly contributes to the serious exploitation of migrant agricultural workers. The government-run work scheme is designed to provide migrant labour to small and medium-sized enterprises that struggle to hire a sufficient number of national workers.

Amnesty International urges the South Korean government to:

  • Ratify International Labour Organization Convention No. 29 on Forced  Bild in Originalgröße anzeigen or Compulsory Labour and the UN Trafficking Protocol
  • Extend the rights in respect to work hours, daily breaks and weekly paid rest days to all workers, including migrant workers, irrespective of which sector they work in
  • Where EPS workers have filed a complaint against their employer, they must be free to take up another job while their case is being investigated
  • Permit all EPS workers to change jobs without having to obtain a release form from their employer
  • Remove all restrictions on the number of job changes allowed to EPS workers.

Artikel in voller Länge
Bericht Bitter Harvest - Exploitation and forced Labour of migrant agricultural workers in South Korea

UN Trafficking Protocol - Zusatzprotokoll zur Verhütung, Bekämpfung und Bestrafung des Menschenhandel

International Labour Organization Convention No. 29 on Forced or Compulsory Labour  Bild in Originalgröße anzeigen - Übereinkommen 29 - Übereinkommen über Zwangs- oder Pflichtarbeit


EPS - Employment Permit System

As of 2013, around 250,000 migrant workers were employed in the Republic of Korea (South Korea) under the Employment Permit System (EPS). Since the establishment of the EPS ten years ago, Amnesty International has repeatedly raised concerns on how this work scheme directly contributes to human and labour rights violations by severely restricting migrant workers’ ability to change jobs and challenge abusive practices by employers.

In South Korea, employers can terminate or refuse to renew a migrant’s contract, usually without having to justify their decision. In contrast, migrants must obtain a signed release form from their employer in order to seek a new job (article 25(1) of the EPS Act). Amnesty International’s research found that employers are extremely reluctant to sign release forms and on some occasions would only do so in exchange for a bribe, which is usually between US$ 1,000 - 2,000.

Where migrants do obtain a release form, they must then secure a new job within three months (article 25(3) of the EPS Act) or face deportation. However, even if they do secure new employment within three months, the job change will still jeopardize their ability to continue working in South Korea after the completion of their initial three - year contract. This is because contract extensions (for one year and 10 months) must be supported by a migrant worker’s current employer and visa renewals (for up to four years and 10 months) are only possible if the migrant has never changed jobs (article 18-4 of the EPS Act).


Geschlossene Aktionen

2015 - Postkarten für die Rechte von Migranten in Südkorea

Eine Aktion mit Erfolg - Amnesty begrüßt Anfang Juli die längst überfällige Entscheidung des obersten Gerichtshofs von Korea zugunsten der Seoul-Gyeonggi-Incheon Migrants' Trade Union (MTU), die ein Urteil aus dem Jahre 2007 bestätigt. Danach können Wanderarbeiter ihr Recht auf Versammlungsfreiheit wahrnehmen und eine Gewerkschaft gründen, auch Migranten deren Aufenthaltserlaubnis abgelaufen ist oder die nie gültige Papiere zur Einreise oder für einen Aufenthalt hatten (Irregular Migrants). Ein wichtiger Schritt hin zur Anerkennung der Rechte von Wanderarbeitern.

Rückseite beider Postkarten vergrößert anzeigen
Postkarte 1RückseitenPostkarte 2

Hintergrund und deutsche Übersetzung der Postkarten
Internationaler Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte


2013 - Petition "Schützt die Rechte von Wanderarbeitern"
Zum 01. Mai 2013 lief mit der österreichischen Sektion eine große Unterschriftenaktion. Die südkoreanische Präsidentin Park Geun-hye wurde aufgefordert, dass Südkorea

  • die Konventionen der ILO (Internationale Arbeitsorganisation)
    Nr. 87 (Vereinigungsfreiheit und den Schutz des Vereinigungsrechts), Nr. 98 (Vereinigungsrecht und Recht zu Kollektivverhandlungen),
    Nr. 29 (Zwangsarbeit) und
    Nr. 105 (Abschaffung der Zwangsarbeit) unterzeichnet
  • die Migrants’ Trade Union (MTU, Gewerkschaft der Wanderarbeiter) anerkennt und alle Aktivitäten (einschließlich Abschiebungen und falschen Beschuldigungen) gegen Mitglieder und Leiter dieser Union stoppt

Die Verfassung gesteht Menschen, die nach Südkorea kommen um zu arbeiten, die gleichen Rechte zu wie südkoreanischen Arbeitern. Aber oft müssen sie ihre Arbeit zum Teil unter harten und unmenschlichen Bedingungen verrichten.

Besonders schlecht sind die Wanderarbeiter (Migrant Workers) gestellt, die ohnehin die schmutzigen und gefährlichen Tätigkeiten verrichten müssen. Sie werden von den Arbeitgebern überwiegend ausgenützt und oft sogar wie Sklaven gehalten. 2012 und 2013 wurde das "System der Arbeitserlaubnis" (Employment Permit System, EPS) jeweils zusätzlich verschärft und lieferte ausländische Arbeitskräfte noch mehr ihren Arbeitgebern aus.

2009 - Briefaktion "Schützt Wanderarbeiter in Südkorea"
Südkorea war eines der ersten Länder in Asien, das per Gesetz die Rechte von Wanderarbeiter anerkannte und ihnen den gleichen Status wie koreanischen Arbeitern einräumte mit gleichem Arbeitsrechten, Bezahlung und Leistungen. Fünf Jahre nach in Kraft setzen des Employment Permit System (EPS) im Jahr 2004, das die Rechte von Wanderarbeitern besser schützen sollte, begegnete Vielen weiterhin Elend und Missbrauch.

In einem Brief forderten die Unterstützer den damaligen südkoreanischen Präsidenten Lee Myung-bak auf

  • das Internationale Übereinkommen zum Schutz der Rechte aller Wanderarbeitnehmer und ihrer Familienangehörigen und die vier grundlegenden Konventionen der Internationalen Arbeits Organisation (ILO): Nr. 87 ((Vereinigungsfreiheit und den Schutz des Vereinigungsrechts), Nr. 98 (Vereinigungsrecht und Recht zu Kollektivverhandlungen), Nr. 29 (Zwangsarbeit) und Nr. 105 (Abschaffung der Zwangsarbeit) zu ratifizieren und umzusetzen.
  • gründliche Arbeitsaufsichten durchzuführen, die eine größere Anzahl von Arbeitsstätten, die Wanderarbeiter beschäftigen, abdecken und nachfolgende Besuche sowie Betriebsüberwachungen vorsehen bei Arbeitstätten mit Missbrauchsvorfällen um sicher zu stellen, dass Arbeitgeber gemäß des Arbeitsrechts handeln.
  • sich mit dem Mangel an Arbeitsmobilität von Wanderarbeiter zu befassen, welche ein Hauptgrund ist für die Ausbeutung durch ihre Arbeitgeber sowie Artikel 25 des EPS Gesetzes zu berichtigen um die begrenzte Anzahl von Arbeitsplatzwechseln, die Wanderarbeitern möglich ist, aufzuheben.
  • sicher zu stellen, dass die Verfahren für Festnahme, Inhaftierung und Abschiebung von illegalen Wanderarbeitern internationalen Menschenrechtstandards entsprechen und dass eine umgehende, effektive, unabhängige, vollständige und unparteiische Untersuchung statt findet im Falle von Vorwürfen von Menschenrechtsverletzungen gegen Beamte von Einwanderer und anderen Vollzugsbehörden und dass Täter haftbar gemacht werden.
  • sicher zu stellen, dass Haftbedingungen im Übereinstimmung mit internationalen Menschenrechtsgesetzen und - standards sind einschließlich der Mindestgrundsätze für die Behandlung der Gefangenen und dem Prinzipienwerk für den Schutz von allen Personen unter jeglicher Form von Haft oder Freiheitsentzug.

Südkorea